La Gomera - die Vulkaninsel
1. Entstehung der Kanarischen Inseln
Die Kanarischen Inseln sind alle vulkanischen Ursprungs. Sie liegen auf dem mittel-atlantischen Rücken, einer Art submarinem Gebirgszug. Seine Entstehung hängt sehr wahrscheinlich mit dem Auseinanderbrechen des Urkontinents und dem Auseinanderdriften der afrikanischen und der amerikanischen Scholle zusammen. In den Schwächezonen der Erdkruste am Meeresboden stieg –wie auch heute noch- „Magma* auf. Außerdem sammelten sich am Meeresboden Sedimente*, die bei großem Druck von oben und von den Seiten zu hohen Gebirgen aufgefaltet wurden. Solche Faltungsprozesse sind immer begleitet von starkem Vulkanismus. Die Zeit des intensivsten Vulkanismus war das Tertiär*, in dem die jüngsten und daher auch heute noch höchsten Faltengebirge auf der Erde entstanden (Alpen, Anden, Himalaya, Atlas usw.).
Der Vulkanismus, der die Insel Gomera entstehen ließ, ist seit langem erloschen, Teile der Insel sind abgesenkt und vom Meer oder durch Wasser und Wind abgetragen. Es gibt nur noch einen einzigen, deutlich erkennbaren Vulkankrater (Caldera genant) auf der Insel bei La Cantera. Auf allen anderen kanarischen Inseln ist noch aktiver Vulkanismus zu verzeichnen. Der Teide auf Teneriffa ist ein schönes Beispiel für einen relativ jungen Schichtvulkan, der auf dem Rand eines riesigen Kraters aufsitzt und jederzeit wieder aktiv werden kann. Ein Schichtvulkan entsteht durch eine Serie von unterschiedlichen Ausbrüchen, bei denen einmal Asche, dann wieder mehr oder weniger gasreiche Lava* oder auch Auswurfgestein aus dem Vulkanschlot* herausgeschleudert werden und sich übereinander in Schichten ablagern.
2. Vulkanische Formen auf Gomera
Diese verschiedenen Schichten lassen sich auch auf Gomera sehr deutlich voneinander unterscheiden. Sie sind unterschiedlich in ihrer Struktur, Färbung und Härte. Die Vulkanlandschaft Gomeras wurde in den Jahrmillionen mehrmals gehoben und gesenkt. Einzelne Krustenteile brachen, so daß lange Risse, Störungszonen oder Bruchlinien die Insel durchziehen. Diese sind auch heute noch deutlich in der Landschaft erkennbar, da in den Störungszonen Magma aufstieg und langsam erkaltete. Dadurch entstand ein harter Basalt, der beim Abkühlen säulenförmig erstarrte. Diese relativ harten Spaltenfüllungen in den Bruchzonen sind heute in der Landschaft als Wände erkennbar, die wie gemauert aussehen. Sie durchziehen die ganze Insel entlang der Bruchzonen, wie auch bei uns in El Cabrito im Barranco*. Fast alle großen Täler, die sich vom Zentrum der Insel zum Meer hinunterziehen, verlaufen entlang einer Bruchzone.
3. El Cabrito und sein Barranco
Im Baranco sieht man die Bruchlinie deutlich. Eine Basaltmauer tritt in der Höhe des Malplatzes aus den lockeren Lava- und Ascheschichten am Hang des Risco de la Amargura heraus, im Barranco ist sie abgetragen bis zum Grund des Flußbettes und geht dann auf der anderen Seite weiter. Sie markiert den Verlauf der Bruchzone.
Wenn man die Lagerung der verschiedenen Schichten auf beiden Seiten des Barrancos vergleicht, sieht man, daß an der Punta de El Cabrito (mit Kreuz) die Schichten zum Meer hin abfallen, während sie auf der gegenüberliegenden Seite fast waagerecht lagern. Das heißt, daß durch die Erdkrustenbewegungen die eine Seite des Barancos zum Meer hin gekippt wurde, während die andere waagerecht liegen blieb. Teilweise ist das aufsteigende Magma auch in einem Schlot steckengeblieben, dort langsam erkaltet zu einem harten, widerstandsfähigen Basalt. Heute sind die umgebenden, weniger harten Schichten abgetragen und diese Schlotfüllungen stehen als markante Felsgipfel in der Landschaft. So entstand die eigenartige Form des Roque Sombrero, ebenso der bekannte Roque Agando.
Die verschiedenartigen Ausbrüche der Vulkane lassen sich in El Cabrito sehr deutlich erkennen. Beim Blick hinauf zum Kreuz sehen wir Schichten verschiedener Färbung. Es gibt rote, von Eisen verfärbte Ascheschichten, die zum Teil sehr weich sind, aber auch kristallin* verfestigt sein können, wenn sie durch großen Druck oder Hitze überformt wurden. Schwarze oder auch graue Lavabänder liegen darin. Die Lava erkaltet an der Oberfläche schneller, ist dann rissig, enthält im allgemeinen große Gasblasen, die später Hohlräume hinterlassen, wie sie hier überall zu finden sind. Zum Teil bilden diese Hohlräume in der Lava ausgedehnte Höhlen- und Tunnel-systeme. Unter der schon erstarrten Oberfläche erkaltet die Lava langsamer und kristallisiert dann, weil das Volumen abnimmt und sich Risse bilden, zu einem härteren, säulenförmigen Basalt, der im Idealfall achteckige Säulen bildet.
Sehr dunkles Vulkangestein wie der Basalt ist basisch und schwer. Er hat oft auch Einschlüsse von Olivin (grüne Kristalle, die braun verwittern) und schwarzem Augit. Wird Gestein aus dem Vulkan herausgeschleudert (Auswurfgestein), so finden wir Lapilli (abgerundete, kleinere Lavasteine) oder Schlacken und Lavabomben. Hellere Vulkangesteine sind sauer und leichter, wie z.B. Phenolite (erkennbar an ihrem hellen Klang) und Trachyte. Besonders leicht ist der Bimsstein, der fast weiß ist und sogar schwimmt. Er ist ein stark poröses Auswurfgestein. Große Ablagerungen von Bimsstein sind auf Teneriffa auf dem Weg zum Flughafen zu beobachten.
Wenn wir uns die verschiedenen Lavasteine anschauen, erkennt man oft noch die Fließstruktur:
-Stark flüssige Lava bildet große Decken und erstarrt mit relativ glatter Oberfläche,
man nennt sie „paho-hoe“ (Wort aus Hawai).
-Langsamer fließende Lava ist an der Oberfläche uneben, zerbrochen und rauh,
genannt „aa“
-Sehr zähflüssige Lava hat beim Erkalten eine sehr chaotische Oberfläche mit
großen Blöcken
-Lava, die unter der Meeresoberfläche unter hohem Druck schnell erstarrt, verwittert
kissenförmig: „Kissenlava“
Auf dem Weg von San Sebastian nach El Cabrito fährt man mit dem Boot an einer Stelle vorbei, an der ein Magmaschlot freigelegt wurde, der nicht an die Oberfläche dringen konnte, sich staute und zu einer „Basaltrose“ erstarrte.
Begriffserklärungen:
*Magma = flüssige Gesteinsschmelze aus der Tiefe
*Lava = Gesteinsschmelze, die aus der Erde austritt
*Sedimente = Ablagerungen
*Tertiär = Zeit in der Erdgeschichte vor 7-1,5 Mill.Jahren
*Vulkanschlot = Kamin, in dem das Magma aufsteigt
*kristallin = Sammelbegriff für alle Auswurfgesteine und durch
Hitze und Druck veränderte Gesteine
*Barranco = tief eingeschnittenes Tal, Schlucht